100 Jahre Handball

Seit 100 Jahren wird Handball in der Turn- und Sportgemeinde Schwäbisch Hall als offizielle Abteilung geführt. Wenn man bedenkt, dass die Sportart an sich auch nicht viel älter ist, gehören die Haller Handballer:innen zu den Ersten. 

In den folgenden Beiträgen möchte wir dir zuerst die Entstehungsgeschichte unserer geliebten Sportart erzählen. Dann blättern wir in unseren alten Chroniken und stellen in jedem Monat ein Jahrzehnt Haller Handballgeschichte vor.

An dieser Stelle möchte ich auch an die vielen Menschen erinnern, die sich für den Haller Handballsport engagiert haben und leider nicht mehr unter uns sind.

Stellvertretend möchte ich Roland Schmid, Abet Seizinger, Erika Grassinger, Fritz Scheufele, Rüdiger Hunger und Angelika Rieger erwähnen.

Euer Fritz Bernhardt 

Die Geschichte des Handballs

Auf der Suche nach einem Teamsport für Frauen entwickelte der Berliner Turnwart Max Heiser 1915 ein Spiel namens Torball. Der schon damals populäre Fußball galt als nicht geeignet für Frauen. Stattdessen sollten die Damen einen Ballsport ohne Zweikämpfe ausüben. Max Heiser übernahm kurzerhand die Aufstellung vom Fußball und legte Torball als Spiel ohne Körperkontakt fest, bei dem auch das Prellen des Balles möglich war.

Torball war jedoch keine einzigartige Erfindung, denn das Spiel entwickelte sich aus verschiedenen Ballspielen, wie Netz-, Korb-, Raff- oder Turmball, die um die Jahrhundertwende in Europa populär waren. Auch war Torball keine reine deutsche Erfindung, denn in Schweden und Dänemark wurde zu dieser Zeit schon „Handbold“ gespielt. 

Nach skandinavischem Vorbild benannte Max Heiser Torball am 29. Oktober 1917 in Handball um.

  • 1906 – der Däne Holger Nielsen veröffentlicht das weltweit erste Regelwerk zum Handball (dänisch: Handbold).
  • 1915 – Der deutsche Turnlehrer Max Heiser erfindet das Ballspiel Torball, das nur von Frauen gespielt werden soll.
  • 1917 – Max Heiser benennt Torball in Handball um.
  • 1919 – Der deutsche Turnlehrer Carl Schelenz erweiterte das Regelwerk von Nielsen und Heiser, wonach Handball auch von Männern gespielt wird.
  • 1919 – Der Handball, der bis dahin die Größe eines Fußballs hatte, wird verkleinert.
  • 1921 – Der TSV 1860 Spandau gewinnt die erste Deutsche Meisterschaft im Feldhandball.
  • 1925 – Im ersten Länderspiel der Welt am 13. September in Halle (Saale) besiegt Österreich Deutschland mit 6:3.
  • 1936 – Feldhandball wird zum ersten und letzten Mal olympisch.
  • 1938 – Die erste Handball-Weltmeisterschaft der Herren gewinnt Deutschland im eigenen Land.
  • 1957 – Die erste Frauen-Handball-Weltmeisterschaft findet in Jugoslawien statt.
  • 1972 – Hallenhandball der Männer wird olympisch.
  • 1976 – Hallenhandball der Frauen wird olympisch.
  • 2004 – Die erste Weltmeisterschaft im Beachhandball findet statt.

Antike

Schon im antiken Rom und Griechenland wurden Handball-ähnliche Spiele gespielt. Zu den bekanntesten gehört Harpaston, was mit „rauben“ oder „schnell wegnehmen“ übersetzt werden kann. Im römischen Kulturkreis war das Spiel auch als Harpastum bekannt, was so viel bedeutet wie „die Übungen mit dem kleinen Ball“.

Bis in das 5. Jahrhundert galt es als das beliebteste Spiel der Griechen und Römer. Gespielt wurde mit zwei Mannschaften von fünf bis zwölf Spielern auf einem rechteckigen Spielfeld, an deren Enden jeweils eine Linie aufgemalt wurde. Ziel war es, den Ball der eigenen Mannschaft über die Endlinie der gegnerischen Mannschaft zu befördern. Der Ball durfte dabei mit der Hand geschlagen oder geworfen werden.

Antikes Mosaik mit Harpaston-Abbildung

Feldhandball

Nach der Erfindung des deutschen Handballs im Jahr 1915 wurde das Spiel bis in die 1970er Jahre vor allem auf Rasen gespielt und nannte sich Feldhandball. Von 1967 bis 1973 existierte sogar eine Feldhandball-Bundesliga. Gespielt wurde Feldhandball auf einer Fläche, die so groß wie ein Fußballplatz war. Diese Spielart wird auch als Großfeldhandball bezeichnet. Im Gegensatz zum Hallenhandball hatte Großfeldhandball andere Regeln. Zehn Feldspieler und ein Torwart traten pro Mannschaft an. Das Spiel war eher passiv und nicht sehr schnell oder trickreich.

Neben Großfeldhandball etablierte sich auch Kleinfeldhandball, das heute noch teilweise im Sommer gespielt wird. Die Regeln sind mit denen des Hallenhandballs identisch. Gespielt wird auf Rasen, Asche oder Kunststoff. Das Spiel erlangte vor allem in Südosteuropa Popularität, wohingegen Großfeldhandball nur in Mitteleuropa beliebt war.


Hallenhandball

Gegen Ende der 1960er nahm die Popularität von Feldhandball langsam ab, was vor allem an der Wetterabhängigkeit lag. Aus diesem Grund führten die skandinavischen Länder als Erstes das Spiel in der Halle ein. Von da aus verbreitete sich der Hallenhandball auch in der restlichen Welt.

Ein weiterer Vorteil des Spiels in der Halle war, dass man auf ebenem Boden spielen konnte. Denn statt auf Rasen zu spielen, spielten viele Feldhandballmannschaften bis dahin auf Hartplätzen, was wiederum zu Schürfwunden führte. Durch die Verkleinerung des Feldes wurde vor allem das Tempo angehoben und das Spiel wurde trickreicher. Die Mannschaften schrumpften auf sieben Spieler, inklusive Torwart, und auch die Regeln wurden angepasst.

Beachhandball

Seit Mitte der 1990er Jahre erfreut sich Beachhandball wachsender Beliebtheit. Diese Handball-Variante wird barfuß auf Sand gespielt. Eine Mannschaft umfasst vier Spieler, inklusive Torhüter. Ein weiterer Unterschied zum Hallenhandball ist die Größe des Spielfelds, das mit nur 27 × 12 Meter deutlich kleiner ist. Je nach Wurf bringt ein Treffer unterschiedlich viele Punkte. So zählt ein „einfaches“ Tor einen Punkt, ein Tor, das von einem Schlüsselspieler, wie dem Torwart, geworfen wird, zwei Punkte. Statt den Ball zu prellen, was durch den Bodenbelag nicht möglich ist, kann der Spieler den Ball rollen.

1922 - Gründung der Handballabteilung

Auszug aus der Festschrift zum 175-jährigen Jubiläum (2019) der Turn- und Sportgemeinde Schwäbisch Hall e.V. 1844

………. Die Gründung der Leichathletikabteilung brach offenbar den Bann. Handball wurde wohl bereits ab 1917 in der Damenriege gespielt. Einige Männer griffen dies auf, spielten Handball erst nebenher und gründeten dann 1922 eine Handballabteilung. Ab 1924 beteiligte man sich am Spielbetrieb. Zur Einweihung der Jahnturnhalle gab es 1928 u.a. ein Handballspiel gegen ein Öhringer Team, das mit 4:5 verloren wurde. Trotzdem schrieb ein Zuschauer, dieser Sport würde „immer ein Liebling einer mutigen, willensstarken Jugend sein“.

Handballmannschaft der Turngemeinde Hall 1928 bei einer Turngauausfahrt nach Kirchberg, in der Mitte Oberturnwart Gottlieb Müller